Mehr als ein Viertel der Deutschen sind nach wie vor offen für einen Wechsel – für viele ist dabei der Arbeitsweg entscheidend
Die steigenden Mobilitätskosten wirken sich zunehmend auf den Arbeitsmarkt in Deutschland aus. Mehr als jeder vierte Beschäftigte ist aktuell offen für einen Jobwechsel. Dabei rückt neben klassischen Wechselmotiven wie Gehalt, Entwicklungsmöglichkeiten oder Jobsicherheit ein sehr konkreter Alltagsfaktor stärker in den Vordergrund: der Weg zur Arbeit. Das ist eines der Ergebnisse des neuen Jobwechsel-Kompass, den die KÖNIGSTEINER Gruppe gemeinsam mit XING in Auftrag gegeben hat. Für die repräsentative Erhebung werden regelmäßig mehr als 1.000 Beschäftigte zu ihren beruflichen Wechselabsichten befragt. Das Ergebnis: Derzeit können sich 28 % der Arbeitnehmer in Deutschland grundsätzlich vorstellen, den Arbeitgeber zu wechseln. Unter diesen wechselwilligen Beschäftigten gibt mehr als die Hälfte (54 %) an, dass die steigenden Energie- und Mobilitätskosten ihre Bereitschaft zu einem Jobwechsel beeinflussen.
Der Arbeitsweg wird zum Wechselmotiv
Wie wichtig der finanzielle und zeitliche Aufwand des Pendelns inzwischen geworden ist, zeigen weitere Ergebnisse des Jobwechsel-Kompass. So sagen 75 % der potenziellen Jobwechsler, dass der Arbeitsweg für ihre Entscheidung für oder gegen einen Arbeitgeber eine wichtige Rolle spielt. 71 % der Wechselwilligen würden für einen Job mit kürzerem Arbeitsweg den Arbeitgeber wechseln. Arbeitgeber, die Beschäftigte bei ihren Pendelkosten unterstützen, können daher deutlich an Attraktivität gewinnen: 75 % der potenziellen Jobwechslerinnen finden Unternehmen attraktiver, die entsprechende Kosten bezuschussen. Für 36 % kann eigenen Angaben zufolge sogar ein vom Arbeitgeber finanziertes Deutschland-Ticket ein Grund sein, den Arbeitgeber zu wechseln.
„Die Diskussion um steigende Benzin-, Energie- und Mobilitätskosten erreicht nun auch den Arbeitsmarkt. Für viele Beschäftigte ist der Weg zur Arbeit längst keine reine Organisationsfrage mehr, sondern ein spürbarer Kostenfaktor. Arbeitgeber, die das ignorieren, unterschätzen einen zunehmend wichtigen Aspekt ihrer Attraktivität. Wer Mobilität mitdenkt, kann im Wettbewerb um Talente einen sehr konkreten Vorteil gewinnen“, sagt Nils Wagener, Geschäftsführer der KÖNIGSTEINER Gruppe.
Beschäftigte sehen weiterhin Chancen auf dem Arbeitsmarkt
Besonders ausgeprägt ist die grundsätzliche Wechselneigung bei jüngeren Beschäftigten. So sind 41 % der 18- bis 29-Jährigen sowie 37 % der 30- bis 39-Jährigen offen für eine neue berufliche Herausforderung. Diese Wechselbereitschaft trifft auf eine stabile Zuversicht vieler Beschäftigter. So rechnet sich fast die Hälfte der Befragten (49 %) derzeit grundsätzlich gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt aus. Auch der Blick in die Zukunft fällt überwiegend optimistisch aus. So glauben 25 % der Beschäftigten, dass ihre persönlichen Chancen in einem Jahr noch besser sein werden als heute. Weitere 69 % gehen davon aus, dass ihre Perspektiven zumindest genauso gut bleiben wie derzeit. Damit bleibt der Arbeitsmarkt aus Sicht vieler Beschäftigter trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten beweglich. Wer sich beruflich verändern möchte, tut dies also nicht nur aus akuter Unzufriedenheit, sondern vielfach auch aus der Überzeugung heraus, weiterhin über gute Optionen zu verfügen. Dazu passt: 61 % der Beschäftigten in Deutschland zeigen sich derzeit mit ihrem aktuellen Arbeitgeber durchaus zufrieden.
Unternehmen stellen weiterhin ein
Nur 23 % der Beschäftigten geben an, dass bei ihrem aktuellen Arbeitgeber derzeit ein Einstellungsstopp herrscht. 63 % verneinen dies. Diese Zahlen zeigen: In der Mehrheit der Unternehmen wird nach wie vor eingestellt – trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten und steigender Kosten. „Für wechselbereite Beschäftigte entstehen dadurch weiterhin Gelegenheiten, sich beruflich neu zu orientieren. Für Arbeitgeber wiederum bedeutet dies: Wer neue Talente gewinnen oder bestehende Mitarbeitende halten möchte, sollte nicht nur über Aufgaben, Gehalt und Karriereperspektiven sprechen, sondern auch über ganz praktische Fragen des Arbeitsalltags. Der Arbeitsweg gehört inzwischen dazu“, sagt Dr. Julian Stahl, Arbeitsmarktexperte von XING, zu den Ergebnissen.
Über den Jobwechsel-Kompass
Für den Jobwechsel-Kompass befragt das Marktforschungsinstitut bilendi im Auftrag der KÖNIGSTEINER Gruppe sowie XING halbjährlich mehr als 1.000 Beschäftigte zu ihren beruflichen Zukunftsaussichten sowie ihrer Wechselbereitschaft. Für die aktuelle Ausgabe wurden 1.080 Beschäftigte befragt. Ihr Durchschnittsalter betrug zum Zeitpunkt der Befragung 44,9 Jahre. Alle Teilnehmer waren zum Zeitpunkt der repräsentativen Befragung erwerbstätig.