Mehr gesellschaftliches Engagement wäre möglich, wenn die Rahmenbedingungen für das Ehrenamt reformiert würden
Mehr ehrenamtliches Engagement in Deutschland scheitert derzeit weniger am fehlenden Willen der Menschen, sondern an ungünstigen Rahmenbedingungen dafür. Das ist ein Ergebnis unserer aktuellen Umfrage der KÖNIGSTEINER Gruppe, in deren Auftrag bundesweit mehr als 1.050 Beschäftigte zum Ehrenamt befragt wurden. Demnach üben 24 % der Befragten ein solches Ehrenamt aus, während mehr als drei Viertel von ihnen keiner freiwilligen Tätigkeit für die Allgemeinheit nachgehen. Interessant: Menschen in Teilzeit engagieren sich deutlich seltener als Beschäftigte, die gleichzeitig noch eine Vollzeitstelle besetzen. Während jeder Fünfte Teilzeit-Beschäftigte ein Ehrenamt ausübt, tut dies jeder Vierte in Vollzeit.
Gleichzeitig zeigen die Umfrageergebnisse auch, dass die Bereitschaft für ehrenamtliches Engagement deutlich größer wäre, wenn die Voraussetzungen dafür besser passen. In erster Linie fehlt es ihnen an Informationsangeboten, über die sie die persönliche Passung der verfügbaren Tätigkeiten prüfen können. So würden sich 41 % engagieren, wenn sie eine Aufgabe fänden, die zu ihren persönlichen Interessen passt. Fast ein Drittel (31 %) wünschen sich ein Ehrenamtsmöglichkeit in ihrer Nähe. Weitere Ansatzpunkte sind ein klarer Sinnbezug sowie der Faktor Zeit. So würden sich 27 % dann mehr einbringen, wenn sie das Gefühl hätten, damit wirklich etwas zu bewirken. Weitere 22 % wären dann offen für ein Ehrenamt, wenn der zeitliche Aufwand klar definiert und gut planbar wäre.
Arbeitgeber sind nicht Träger, aber Ermöglicher von Ehrenamt
Ein beachtlicher Teil des brachliegenden Potenzials zu mehr gesellschaftlichem Engagement ließe sich auch über das berufliche Umfeld aktivieren. So gibt gut ein Viertel (24 %) der Nicht-Engagierten an, dass sie sich ehrenamtlich einbringen würden, wenn ihr Arbeitgeber entsprechendes Engagement unterstützen würde – etwa durch Freistellungen. Darüber hinaus nennt ein Drittel (33 %) der Beschäftigten mehr zeitliche Entlastung als entscheidenden Faktor für mehr Engagement. Interessant in diesem Kontext: Beschäftigte, die eigenen Angaben zufolge regelmäßig Überstunden leisten, gehen überdurchschnittlich oft einem Ehrenamt nach (27 %).
Sportvereine sind das Zentrum des Ehrenamts
Dort, wo sich Beschäftigte bereits engagieren, konzentriert sich das Ehrenamt vor allem auf den Sport. 38 % der freiwillig Engagierten sind im sportlichen Bereich aktiv – etwa in Vereinsarbeit, Training oder Organisation. Dahinter folgen Tätigkeiten in Vereinen oder ehrenamtlichen Initiativen allgemein (20 %) sowie Engagement im sozialen Bereich (16 %). Vergleichsweise gering ist der Anteil dagegen in kulturellen Bereichen (11 %), in der Nachbarschafts- oder Gemeindehilfe (12 %), in politischen oder religiösen Kontexten (jeweils 9 %) sowie im Natur- und Umweltschutz (5 %) oder im Pflegeumfeld (5 %). Das Ehrenamt in Deutschland ruht damit in besonderem Maße auf vereinsnahen Strukturen – während andere gesellschaftlich relevante Felder deutlich weniger Ehrenamtliche binden.
Über die Studie
Für die vorliegende Untersuchung befragte das Kölner Marktforschungsunternehmen bilendi im Auftrag der KÖNIGSTEINER Gruppe bundesweit 1.056 berufstätige Arbeitnehmer. Der Befragungszeitraum lag im Januar 2026. Von den Teilnehmenden waren 50 % Männer und 50 % Frauen. Das Durchschnittsalter betrug 45,3 Jahre. 87 % arbeiteten in Vollzeit, 13 % in Teilzeit. Zudem wurden je zur Hälfte Akademiker und Nichtakademiker befragt.