Ein Viertel der Beschäftigten würden Compliance-Verstöße bei ihrem Arbeitgeber in jedem Fall melden, mehr als ein Fünftel aber auch nicht
Ethische Verhaltensregeln in der Arbeitswelt genießen eine hohe Resonanz in den Belegschaften deutscher Unternehmen. Die große Mehrheit der Beschäftigten in Deutschland signalisiert eine grundsätzliche Bereitschaft, Compliance-Verstöße im eigenen Unternehmen zu melden. Das ist ein Ergebnis unserer aktuellen Studie „Compliance“, für die das Marktforschungsinstitut bilendi im Auftrag der KÖNIGSTEINER Gruppe bundesweit 1.056 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer befragte. Demnach würden 26 % der Beschäftigten einen beobachteten Regelverstoß auf jeden Fall melden. Etwas mehr als die Hälfte (51 %) gibt immerhin eine tendenzielle Meldebereitschaft an. Insgesamt signalisieren somit 77 % eine grundsätzliche Bereitschaft, aktiv zu werden, wenn gegen Unternehmensregeln verstoßen wird. Allerdings: Auf der anderen Seite geben auch mehr als ein Fünftel der Mitarbeitenden (21 %) im Rahmen der Studie an, einen Verstoß dagegen nicht melden. Insgesamt haben bisher 29 % aller Beschäftigten in ihrer beruflichen Laufbahn mindestens einen Compliance-Fall beobachtet.
Meldekanäle sind nur der Hälfte der Mitarbeitenden bekannt
Voraussetzung für eine funktionierende Compliance-Kultur ist die Kenntnis der offiziellen Meldewege. Hier zeigt sich ein bestenfalls ausgewogener Kenntnisstand: Denn nur etwas mehr als die Hälfte der Mitarbeitenden (52 %) kennen die offiziellen Kanäle, über die sie mögliche Regelverstöße melden könnten, eigenen Angaben zufolge. Fast ein Drittel (31 %) wissen zwar, dass es entsprechende Meldestrukturen gibt, kennen diese jedoch nicht im Detail. Weitere 17 % geben an, keinerlei Kenntnis über solche Kanäle zu besitzen. Auffällig ist ein geschlechterspezifischer Unterschied: Während 60 % der Männer angeben, die offiziellen Meldewege zu kennen, liegt dieser Anteil bei Frauen bei nur 45 %.
Diejenigen, die einen Verstoß eher nicht oder gar nicht melden würden, nennen dafür vor allem unternehmenskulturelle Gründe. Am häufigsten wird dementsprechend die Sorge genannt, als „Denunziant“ wahrgenommen zu werden (47 %). Fast ebenso viele sehen eine Meldung nicht als Mitarbeiter-Aufgabe (41 %) an oder glauben, dass ohnehin keine Konsequenzen folgen würden (41 %). 31 % äußern mangelndes Vertrauen in Anonymität oder Datenschutz, 23 % fürchten konkrete Nachteile im Unternehmen. 21 % geben an, nicht klar zu wissen, an wen sie sich wenden könnten.
Vertrauen in Hinweisgeberschutz ist überwiegend vorhanden
Das Meinungsbild in den Belegschaften, wie Beschäftigte den Hinweisgeberschutz bei ihrem aktuellen Arbeitgeber bewerten, fällt differenziert aus. 37 % sind fest davon überzeugt, dass Compliance-Meldungen vertraulich behandelt werden. Gleichzeitig können oder wollen fast jeder Fünfte (19 %) hierzu keine Einschätzung abgeben. Ähnlich verhält es sich beim Schutz von Hinweisgebern: 33 % vertrauen darauf, dass Hinweisgeber geschützt werden. Genau ein Viertel der Befragten äußern sich unentschieden. 13 % geben an, kein Vertrauen in den Umgang ihres Arbeitgebers mit gemeldeten Fällen zu haben.
Hoher persönlicher Anspruch bei Mitarbeitenden, aber Druck als Risikofaktor
Die eigene persönliche Haltung der Beschäftigten gegenüber dem Umgang mit Compliance-Regeln im aktuellen Unternehmen fällt eindeutig aus: 43 % geben an, sich immer an die Regeln ihres Arbeitgebers zu halten. Gleichzeitig sieht knapp die Hälfte der Beschäftigten (47 %) beruflichen Druck als möglichen Auslöser für Regelverstöße. Gefragt danach, welche Unternehmensbereiche besonders anfällig für Compliance-Verstöße sind, nennen jeweils 49 % Datenschutz und Informationssicherheit sowie den Umgang mit vertraulichen Informationen. 43 % sehen Risiken im Bereich Diskriminierung und Gleichbehandlung, 39 % bei Korruption und Vorteilsnahme.
Mit Blick auf konkrete Maßnahmen zur Stärkung von Compliance-Regeln sprechen sich 26 % der Beschäftigten für mehr Schulungen und Aufklärung aus. 23 % sehen im Vorbildverhalten der Führungskräfte den wichtigsten Hebel. 20 % plädieren für strengere Kontrollen und Sanktionen, 19 % für eine bessere interne Kommunikation. Leichtere und anonyme Meldemöglichkeiten nennen 9 % als zentrale Maßnahme.
Über die Studie
Für das Whitepaper „Compliance“ befragte das Kölner Marktforschungsunternehmen bilendi im Auftrag der KÖNIGSTEINER Gruppe bundesweit 1.056 berufstätige Arbeitnehmer. Der Befragungszeitraum lag im Januar 2026. Von den Teilnehmenden waren 50 % Männer und 50 % Frauen. Das Durchschnittsalter betrug 45,3 Jahre. 87 % arbeiteten in Vollzeit, 13 % in Teilzeit. Zudem wurden je zur Hälfte Akademiker und Nichtakademiker befragt.
Alle Ergebnisse der Studie in unserem Whitepaper.