Mehrheit der Mitarbeitenden hält Compliance-Regeln für sehr wichtig – mehr als jeder Fünfte sieht jedoch Schwächen im Umgang mit Regelverstößen
Compliance ist für die große Mehrheit der Beschäftigten in Deutschland kein abstraktes Regelwerk, sondern ein zentraler Bestandteil moderner Unternehmenskultur. Das zeigt unsere aktuelle Studie „Compliance“, für die das Marktforschungsinstitut bilendi im Auftrag der KÖNIGSTEINER Gruppe bundesweit 1.056 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer befragte. Demnach halten 52 % der Beschäftigten es für sehr wichtig, dass es in ihrem Unternehmen verbindliche Compliance-Regeln gibt. Gerade einmal 3 % bewerten entsprechende Regelwerke als eher unwichtig, faktisch niemand hält sie für bedeutungslos. Unterschiede zeigen sich zwischen den Altersgruppen: Während bei den 18- bis 29-Jährigen 42 % die Existenz von Compliance-Regeln für sehr wichtig halten, liegt dieser Wert bei der Generation 50plus mit 55 % leicht überdurchschnittlich hoch. Die damit verbundene Annahme: Mit zunehmender Berufserfahrung wächst offenbar die Erwartung an klare Leitplanken im Arbeitsalltag.
Compliance-Regeln sind in der deutschen Unternehmenslandschaft breit etabliert
Unsere Studie zeigt neben dem klaren Mitarbeitervotum für Unternehmensregeln auch eine breite strukturelle Verankerung in den Unternehmen. Hintergrund: Bei 82 % der Arbeitgeber existieren aus Sicht der Beschäftigten verbindliche Compliance-Regeln. 18 % geben an, nicht zu wissen, ob entsprechende Vorgaben in ihrem Unternehmen bestehen. Dort, wo Regelwerke wahrgenommen werden, betreffen sie vor allem klassische Risikobereiche. Am stärksten verankert sind Regelungen zu „Datenschutz und Informationssicherheit“ (93 %). Es folgen Leitplanken in Sachen „Antidiskriminierung und Gleichbehandlung“ (82 %) sowie „allgemeine Verhaltenskodizes“ für Mitarbeitende (82 %). Auch die Vermeidung von „Vorteilsnahme und Korruption“ (78 %) sowie Regeln zum „fairen Umgang mit Kundinnen und Geschäftspartnerinnen“ (72 %) werden von einer deutlichen Mehrheit wahrgenommen. „Umwelt- und Nachhaltigkeitsrichtlinien“ (67 %) sowie Richtlinien zum „Umgang mit Interessenkonflikten“ (68 %) sind ebenfalls verbreitet, erreichen jedoch leicht geringere Werte.
Etwas mehr als ein Viertel haben bereits einen Regelverstoß erlebt oder beobachtet
Die breite Verankerung von Regelwerken bedeutet jedoch nicht, dass auch häufig Compliance-Fälle wahrgenommen werden. Im Gegenteil: Deutlich mehr als die Hälfte der Beschäftigten (57 %) geben an, bislang keinen Compliance-Verstoß im eigenen Berufsleben beobachtet oder erlebt zu haben. 17 % berichten von mindestens einem Fall, 12 % sogar von mehrfachen Compliance-Erfahrungen. Dort, wo Verstöße beobachtet wurden, fällt die Bewertung des Arbeitgeberverhaltens differenziert aus: 28 % halten den Umgang mit dem jeweiligen Fall für angemessen und konsequent. 21 % bewerten die Reaktion dagegen als halbherzig oder unangemessen. Mehr als die Hälfte kann oder will sich hierzu nicht eindeutig positionieren. Dieses Meinungsbild deckt sich ungefähr mit der allgemeinen Einschätzung der Unternehmen in puncto Regelkonformität: 23 % der Beschäftigten halten ihren Arbeitgeber für vorbildlich, weitere 51 % immerhin noch für gut. Gleichzeitig stufen jedoch 22 % ihr Unternehmen als mittelmäßig oder schwach ein, wenn es um Integrität und konsequente Umsetzung von Regeln geht.
„Unsere Zahlen zeigen sehr deutlich: Compliance wird von Beschäftigten nicht als lästige Formalität wahrgenommen, sondern als grundlegende Voraussetzung für Vertrauen und Fairness im Unternehmen“, sagt Nils Wagener, Geschäftsführer der KÖNIGSTEINER Gruppe. „Gleichzeitig entscheidet sich Glaubwürdigkeit nicht auf dem Papier, sondern im konkreten Umgang mit Regelverstößen. Dort, wo Konsequenz nicht klar erkennbar oder transparent kommuniziert wird, entsteht schnell Unsicherheit. Unternehmen sind daher gut beraten, nicht nur Regeln zu etablieren, sondern auch ihre Umsetzung nachvollziehbar zu machen, indem sie ihre Umsetzung klar und transparent kommunizieren.“
Über die Studie
Für das Whitepaper „Compliance“ befragte das Kölner Marktforschungsunternehmen bilendi im Auftrag der KÖNIGSTEINER Gruppe bundesweit 1.056 berufstätige Arbeitnehmer. Der Befragungszeitraum lag im Januar 2026. Von den Teilnehmenden waren 50 % Männer und 50 % Frauen. Das Durchschnittsalter betrug 45,3 Jahre. 87 % arbeiteten in Vollzeit, 13 % in Teilzeit. Zudem wurden je zur Hälfte Akademiker und Nichtakademiker befragt.
Alle Ergebnisse der Studie in unserem Whitepaper.